Das Knie – ein häufiger Patient

Akute (plötzliche) Schmerzen des Kniegelenkes
Plötzlich (akut) einsetzende Schmerzen des Kniegelenkes sind entweder die Folge einer traumatischen (unfallbedingten) Verletzung oder sind Anzeichen einer Abnutzung (sogenannte degenerative Veränderung). Beim jungen sportlichen Patienten können eine Reihe von Strukturen des Kniegelenkes geschädigt sein. Die häufigsten Ursachen sind Verletzungen der Bänder (vorderes Kreuzband, hinters Kreuzband, Aussenband, Innenband) der Kniezwischenscheiben (Innen- oder Aussenmeniskus), der Schleimhaut (Plica) oder des Gelenkknorpels. Die Knorpelschicht des Menschen verfügt nicht über eine Schmerzrückmeldung, so dass ein Knorpelschaden erst sehr spät, also indirekt zu einer schmerzhaften Veränderung führt. Eine Schwellung des Kniegelenkes (Erguss) reizt die Gelenkskapsel und wird von Patienten häufig als dumpfer Druckschmerz im Inneren oder überhalb des Kniegelenkes bemerkt. Verletzungen des Meniskus sind direkt bei Belastung vorhanden und werden meist mit spitzem Schmerzcharakter beschrieben. Eine Verletzung der Bandstrukturen äußert sich meist mit Instabilitätsgefühl (Giving-way) oftmals in der Kombination mit Schmerzen. Auch Veränderungen der Kniescheibe (Patella) und der dazugehörigen Bandstrukturen (Retinacula) können Schmerzen oder eine Instabilitätsgefühl auslösen. Nicht vergessen werden dürfen seltene Ursachen wie Rheuma oder Gicht, arterielle oder venöse Gefäßverschlüsse, fortgeleitete Schmerzen aus der Hüfte oder der Wirbelsäule. Knocheninfarkte oder raumfordernde Prozesse (Bakerzyste oder Tumor).

Chronische (dauerhaft-wiederkehrende) Schmerzen des Kniegelenkes
Über einen längeren Zeitraum – Wochen oder Monate- anhaltende Schmerzen im Knie treten meist bei degenerativen (Verschleiß) Erkrankungen des Kniegelenkes auf. Häufig entsteht ein Kniegelenksverschleiß (Gonarthrose) nach einem oft Jahre zurückliegenden Unfall. Dabei kommt es zu einer Schädigung der inneren Kniegelenksstrukturen (Kniebinnenraum) wobei die körpereigenen Reparaturmechanismen versagen. Schäden der Knorpelstruktur oder der Kreuzbänder können nur schlecht oder gar nicht ausheilen. Kommen dann noch ungünstige äußere Einflusse hinzu (exogene Faktoren) wie Übergewicht, O-Beine, X-Beine oder schwere Belastung, so kommt es in einem zunehmendem Maß zu einer Abnützung der Strukturen (Fortschreiten der Arthrose). Eine rechtzeitiges Erkennen und Gegensteuern der Arthrose ist daher notwendig. Bei der der Krankheitsanalyse der Arthrose ist daher nicht nur eine genaue Beurteilung der geschädigten Strukturen des Kniegelenkes, sondern auch die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen und die weiteren Lebensumstände des Patienten wichtig, um ein passendes Therapiekonzept zu erstellen.

Arthrose (Gonarthrose, Gelenkverschleiß)
Eine mögliche Ursache von wiederkehrenden Schmerzen im Knie ist der fortgeschrittene Gelenkverschleiß (Arthrose). Am Knie wird dieser als Gonarthrose bezeichnet. Die Gonarthrose kann als Folge von Verletzungen, Fehlstellungen und Überlastungen, in zunehmendem Alter aber auch ohne erkennbare Ursache auftreten. Gehäuft tritt die Gonarthrosen als Folge von Fehlstellungen der Beinachse in Form des O- (genu varum) und X-Beines (genu valgum) auf. Die Gornarthrose wird mittels speziellen Röntgenaufnahmen (Rosenbergaufnahme) und Kernspintechnik (MRT) diagnostiziert. Die Behandlung der Arthrose richtet sich nach den individuellen Lebensumständen, dem Schmerznivaeau und der körperlichen Verfassung. Nicht jede Arthrose muss mit einem Kunstgelenk (Prothese) behandelt werden. Im Einzelfall kann eine Knorpeltransplantation (ACT),  eine Umstellung der Beinachse oder weitere nichtoperative Maßnahmen Linderung bringen. Dazu zählt die medikamentöse Schmerztherapie, physikalische Maßnahmen (Krankengymnastik), Injektion (Hyaluronsäure, Eigenbluttherapie (ACP). Die Therapie richtet sich nach der Intensität der Schmerzen, dem Aktivitätsniveau, dem biologischem Lebensalter und der Erwartungshaltung des Patienten. Die Therapie der Arthrose muss individuell im Einzelfall im Konsens mit dem Patienten entschieden werden.

Anatomie (Aufbau) des Kniegelenkes

Die drei Kompartimente. Das Kniegelenk besteht aus drei Anteilen:
1. Vorderes Kompartiment (Articulatio femoropatellaris)
Dies ist das Gleitlager zwischen dem Oberschenkel (Trochlea ) und der Kniescheibe (Patella). Die Kniescheibe (Patella) bildet mit der Vorderfläche des Oberschenkels (Trochlea) das vordere Gleitlager. Hier entstehen bei Belastung Druckspitzen bis zum 10-fachen Körpergewicht. Ist diese Region erkrankt äußern sich die Beschwerden häufig beim Treppensteigen oder Bergabgehen.

2. Mediales Kompartiment (Innenseite- Articulatio tibiofemoralis)
Mit zunehmenden Alter verändert sich häufig die Beinachse zum sogenannten O-Bein. Dabei wird die innere Gleitfläche (mediales Kompartiment) zunehmend belastet. Dabei wird der Knorpel und der Innenmeniskus zwischen Oberschenkel (Femur) und Unterschenkel (Tibia) geschädigt. Als Folge kann die sogenannte mediale Gonarthrose (Kniegelenksverschleiss) entstehen.

3. Laterales Kompartiment (Außenseite – Articulatio tibiofemoralis)
Selten ist, im Gegensatz dazu, die Arthrose (Gelkenkverschleiß) der Knieaußenseite (laterales Kompartiment). Ursachen können ein Außenmeniskusschaden und/oder eine X-Beinachse sein.

Bänder des Kniegelenkes:
Das Kniegelenk wird durch eine Manschette aus Bändern und Muskeln gestützt.Der Streckapparat: Bei jedem Schritt muss der Körper gegen die Schwerkraft arbeiten und somit das Kniegelenk strecken. Dabei wird die Kraft durch Anspannen der Oberschenkelmuskulatur (Musculus Quadrizeps) mit 10facher Verstärkung von der Kniescheibe auf Kniegleitlager (Trochlea) übertragen. Dabei wird die Kniescheibensehne  (Ligamentum patellae), die seitlichen Kniescheibenbänder (Retinacula) sowie die Sehne der Oberschenkelmuskulatur (Quadrizepssehne) beansprucht.

Mediale (innenseitige) Bandstrukturen
Verletzungen mit X-Bein-Verdrehmechanismus (Valgus-Torsionstrauma) können das die innenseitig gelegenen Bandstrukturen schädigen. Ist nur das Innenband (MCL- mediales Collateralband) gerissen (Ruptur) oder angerissen (partielle Ruptur) so ist dies zwar lange (oft mehrere Monate) sehr schmerzhaft, heilt aber meist ohne eine Operation folgenlos aus.

Laterale (Außenseitige) Bandstrukturen
entsteht bei einer Verletzung ein Riss der äußeren Bandstrukturen (ligamentum laterale, posterolateraler Komplex) so heilt dies nur in den seltensten Fällen ohne eine Operation folgenlos aus. Hier bedarf es einer genauen körperlichen Untersuchung und eine Darstellung mittels Röntgendurchleuchtung und  Magnetresonanzschichtaufnahme (Kernspin, MRT).

Vorderes Kreuzband (Ligamentum cruciatum anterius)
Das vordere Kreuzband besteht aus zwei Anteilen, dem anteromedialen Bündel und dem posterolateralem Bündel. Die Beiden Bündel verwinden sich bei der Beugung des Kniegelenkes gegenseitig und dienen der Stabilität. Dabei Stabiliseren die beiden Bündel des Kreuzbandes das Kneigelenk nicht nur in der vorderen ebenen (vordere Schublade) sondernauch in der Drehbewegung (Rotation). Kommt es nach einem Unfall zu einem Riss des vorderen Kreuzbandes kann daraus ein Instabilitätsgefühl entstehen. Eine Operation des vorderen Kreuzbandes ist nicht immer notwendig. Zur Entscheidungsfindung ob eine Operation sinnvoll ist, muss neben der präzisen Untersuchung und Bildgebung (Kernspin; MRT) mit dem Patienten eine ausführliche Erhebung der Lebensumstände (Aktivitätsniveau) durchgeführt werden. Eigene Studien konnten zeigen, dass die Operation des vorderen Kreuzbandes zur Vermeidung einer Arthrose nicht bei allen Patienten sinnvoll ist.

Das hintere Kreuzband (Ligamentum cruciatum posterius)
Selbst banal erscheinende Unfälle können das hintere Kreuzband schädigen. Häufig wird diese Verletzung unterschätzt oder Übersehen. Ich empfehle zur genauen Diagnostik die Bildgebung mittels Kernspinröhre (MRT) und die Durchleuchtung (Bildwandler) in der dynamischen Technik. In den meisten Fällen kann mit Hilfe einer Kniegelenksschiene (Orthese) eine gute Ausheilung erwirkt werden. Ist eine Operation erforderlich kann diese auch in Schlüssellochtechnik (Arthroskopie) erfolgen.

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